1. Februar 2012

Tiefgekühlt

Noch schwappt das Ostseewasser. Wellen überspülen Felsen und werfen weißen Schaum auf die Steine der Mole. Seltsam hoch steht der Wasserspiegel, überflutet die Ufer, dass sogar Bäume am Saum unter Wasser stehen. Alles sieht merklich anders aus.

Dieses Meer ist windgetrieben, nicht mondgesteuert, soviel steht fest. Der Wind ist ein Kraftprotz. Mit aller Macht presst er die Wassermassen gegen die westliche Küste. Die Ostsee hat keine Gezeiten, obwohl es oft so aussieht.

Der Ostwind ist ein extremer Bursche unter den windigen Brüdern. Im Sommer stemmt er das Quecksilber in die Höhe und im Winter in die Gegenrichtung. Schuld an seiner Kraftmeierei sind die eurasischen Landmassen, die auf der anderen Seite der Ostsee beginnen, Land fast „ohne Ende“.

Land erwärmt sich schneller, kühlt aber auch schneller ab, daher die Extreme, wenn östliche Luft sich Platz verschafft. Jeder Kraftprotz findet seinen Gegenspieler. Hier übernimmt die Ostsee diese Rolle. Sie speicherte im vergangenen Sommer Wärme und gibt diese nun nach und nach ab wie eine Wärmflasche.

Als ich vergangene Woche eine Freundin in der Nähe besuchte, zeigte das Thermometer morgens auf meiner Terrasse gerade mal -2 Grad, 15 km weiter südwestlich dagegen -14. Weit reicht der Einfluss des Wassers also nicht und er schwindet auch mit jedem Tag, an dem es im Winter an Wärme verliert.

Auf einem Spaziergang in die Umgebung komme ich am Binnensee vorüber, der unserem Stadtviertel den Namen gibt. Er spricht schon die tiefgekühlte Sprache von Väterchen Frost. Nach ein paar kalten Tagen überzieht eine Eisschicht das Wasser. Der Schnee darüber lässt ihn mit den Wiesen und Feldern der Landschaft verschmelzen.

Im Wald finde ich ganz überraschend frische Winterpilze. Ich bin nicht ganz sicher, ob es Samtfußrüblinge sind und lasse sie deshalb stehen. Das leuchtende Orange der Schwammerl hebt sich wohltuend von der eisig-weißen Umgebung ab,- Tiefkühlkost à la Mutter Natur.



***

7 Kommentare:

Jutta hat gesagt…

Liebe Beate,

bei uns hat die Kälte jetzt auch tüchtig zugeschlagen und der eisige Ostwind tut sein übriges. Zum Glück haben wir aber in Berlin nie Hochwasser.
Der kleine Pilz kann einem richtig leid tun. Jetzt ist er tief gefrostet und wenn es wieder taut, ist er nur noch Matsch.

Liebe Grüße
Jutta

schöngeist for two hat gesagt…

ja , überall diese klirrende Kälte bei mir wirds auch schon nachts bis spät am Mittag -7Grad udn heute noch kälter am Nachmittag dann -2Grad und Sonne!
Dieser Pilz sieht ja super aus so eine Farbe habe ich auch noch nie gesehen udn wenn das ein essbarer Pilz erst recht, es heisst doch die gerade so schön aussehen wären giftig...wenn man es nicht so genau weis dann hast du gut getan ihn stehen zu lassen.
lieben Gruss Elke

Jo`s Garten hat gesagt…

Hej nach Schweden!
Pilze im Winter? Man lernt nie aus.
Ich bin gespannt, ob du uns Fotos von den Langlausschlittschuhen zeigst-hoffe du kannst bald ein paar flotte Runden über den See ziehen.
Liebe Grüße aus Berlin, Jo

Smultron hat gesagt…

Hej Jutta,
möglicherweise haben Winterpilze eine etwas andere Konsistenz. Ich muss mich noch ausführlicher damit beschäftigen.

Lieben Gruß nach Berlin,
Beate

Hej Elke,
es gibt tatsächlich viele essbare Winterpilze! Nun ist ihre Zeit aber vorbei, denn es ist zu kalt. Wäre spannend zu wissen, wie die schmecken!

Liebe Grüße
Beate


Hej Jo,
wenn Du Lust hast, dann schau mal hier:
http://vonwegen-einfach.blogspot.com/2009/01/langlauf-auf-schlittschuhen.html

ich liebe diese Fortbewegungsart!!!

Grüße nach Bär-lin
smultron

dieter759 hat gesagt…

Hi,

ich habe heute das erste Mal auf deiner Blgo-Seite herum gestöbert. Die Kombination von Bildern und Text ist klasse gemacht ....

Gruß Dieter

Smultron hat gesagt…

Hej Dieter,

danke für Dein Kompliment. Kommentare sind halt doch ein Teil der Motivation dabei zu bleiben.
Ich freu mich auf Dein Wiederlesen.

lg
smultron

Jo`s Garten hat gesagt…

Danke für den Link, Beate. Das ist ja auch ein spannender Text. Klasse.
Dann hoffe ich für dich auf gutes Schlittschuwetter.

Liebe Grüße, Jo