Zuerst kam der Schnee. Das dünne weiße Kleidchen überzog die kleinste himmelwärts gerichtete Fläche. Das hielt der Kälte Tür und Tor offen und das bekam das Wasser zu spüren.
Wie ein Organismus zog es sich zusammen, um sich danach in Kristallen wieder auszudehnen. Pfützen werden zu Eis, wenig später auch die größeren, wie die Bucht im Osten der Stadt. Die Vogelwelt drängt sich zusammen. An den wenigen offenen Wasserflächen tummeln sich geschäftige Kolonien: Enten und Möwen in der Hauptsache.
Die Enge provoziert Streit. „Komm mir nicht zu nahe“! Die Toleranz wird auf eine harte Probe gestellt. Erst recht hoch her geht es, wenn Futter ins Spiel kommt. Futterneid ! Da ist jeder sich selbst der Nächste. Das gehört in der Welt der Vögel zum Überlebensverhalten und unter extremen Bedingungen zur Tagesordnung. Stress pur!
Gegen die Kälte des Winters kann sich der Mensch schützen. Mehr als diese setzt ihm eine andere Kälte zu. Auch sie provoziert, macht egoistisch, intolerant, gierig, neidet, stresst. Es ist die Kälte, die im Menschen selbst wohnt, die dem Menschen allein zugehörig ist, weil er Fähigkeiten besitzt, die ihn über das tierische Erbe hinausheben.
Wenn wir das Potenzial von innerer Wärme nicht nutzen, dann beißt sogar der Nachbar, wenn es richtig kalt wird...
4 Kommentare:
ich lese immer gerne bei dir mit, du kannst so toll erzählen wie wenn man selber dabei ist!
lieben Gruss Elke
Liebe Beate,
erst einmal ganz herzlichen Dank für Deine wunderschöne Karte. Das sind ja wirklich ganz bizarre Eisgebilde, einfach toll anzuschauen.
An meiner Futterstelle gibt es auch manchmal Krach, wenn der eine dem anderen zu nahe kommt.
Beim Menschen sollte das allerdings nicht passieren, aber vielleicht ist das auch ein Teil von uns.
Liebe Grüße
Jutta
Liebe Beate,
trotz frühlingshaftem Wetter gibt es an meinem Vogelhaus auch Ärger. Und in den Bäumen lauern Eichelhäher und Elstern.Da geht es hoch her.Eigenartig, dass wir bei Tieren den Neid und Streit als natürlich ansehen und bei uns Menschen weniger gnädig sind.Vielleicht sind wir Menschen zu streng mit uns?
Grübelnd, Jo
Hej schöngeist,
danke, es tut richtig gut, wenn man solche Anerkennung bekommt!
Hej Jutta,
schön, wenn ich Dich so positiv überraschen konnte:-).
Zu dem oben beschriebenen menschlichen Verhalten gibts ein Märchen:"Die kleinen Leute von Wippidu", eine wunderbare Darstellung genau dieses Problems.
Hej Jo,
Tiere handeln instinktiv, der Mensch sollte verstandeshalber logische Konsequenzen ziehen können. Es war ja auch Alles schon mal da in der Geschichte. Ich bezweifle "unsere" Lernfähigkeit.
Euch einen schönen Tag
smultron (Beate)
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